Trettenes: "Es ist sehr schön in einem neuen Land und Team schon einen Freund zu haben"

von Katharina Schneider-Bodien (Kommentare: 0)

Neuzugang Mathias Trettenes war bereits eine Woche zu Gast in Krefeld. Hier hat der norwegische Nationalspieler einerseits Teile des Teams, Co-Trainer Marian Bazany und die Pinguine-Geschäftsstelle kennengelernt. Außerdem konnte er sich seine Wohnung anschauen. Mit folgendem Interview stellt er sich noch einmal richtig vor.

 

Hallo Mathias, willkommen in Krefeld! Du hast unlängst in Krefeld einen Vertrag unterschrieben. Was sprach für die Pinguine?

Es fühlt sich nach einer guten Wahl für meine weitere Karriere an. Meine ersten Eindrücke bestätigen das und ich kann schon jetzt nur positives über die Pinguine sagen: Die Organisation ist sehr gut, die Jungs im Team machen einen tollen Eindruck und es wird nur von Möglichkeiten gesprochen, wie wir erfolgreich sein können. Sie haben einen Plan präsentiert, der mich überzeugt hat, und ich wollte Teil dieser Reise sein. Ich bin jetzt seit einer Woche hier und es fühlt sich sehr gut an. Und dann war mit Tommy Kristiansen bereits ein alter Bekannter in Krefeld unter Vertrag, was natürlich auch gut war. Es ist schön, jemanden zu haben, den man kennt.

 

Du hast gerade schon Tommy Kristiansen angesprochen. Wie hat die Tatsache, dass er im Team ist, Deine Entscheidung beeinflusst?

Es hat vielleicht ein bisschen beeinflusst, wie schnell die Entscheidung gefallen ist. Vielleicht hätte ich noch etwas länger überlegt, wenn er nicht da gewesen wäre. Aber ich wäre auch ohne ihn gekommen, weil ich einfach von der Organisation und der Mannschaft überzeugt bin. Aber es ist sehr schön, im neuen Team schon einen Freund zu haben, gerade wenn man in ein neues Land und eine bisher unbekannte Liga kommt. Tommy hat mir bestätigt, dass sich hier alles wirklich gut anhört und das Umfeld sehr positiv ist. Also ich musste nicht lang nachdenken, als das Angebot kam.

 

Was weißt Du denn bereits über Krefeld und die DEL? Wie hast Du Dich informiert?

Die DEL ist eine gute Liga, die in den europäischen Ligen sehr hoch angesiedelt ist. Wir haben ja auch mit Stavanger gegen die Eisbären Berlin gespielt und einen Eindruck des Niveaus bekommen. Es gibt hier gute Spieler – sowohl Ausländer als auch Deutsche. Es ist eine große Liga mit vielen Fans, was für uns Spieler natürlich toll ist. Insgesamt ist es eine der größten und besten Ligen in Europa. Ich weiß noch nicht so viel über den Stil und die Systeme, aber das wird dann im August kommen und ich freue mich darauf, hier zu spielen.

 

Wie viel hast Du von der Fankultur in Deutschland gehört? Für viele Skandinavier ist die Stimmung in deutschen Stadien sehr beeindruckend.

Ich habe sehr viel davon gehört. Tore Vikingstad, der früher lange hier gespielt hat und mit dem ich vor seinem Karriereende noch zwei Jahre in Stavanger auf dem Eis stehen durfte, hat mir viel erzählt. Er kommt aus der gleichen Stadt wie ich und wir haben sehr oft geredet. Er hat immer wieder von der Atmosphäre hier erzählt und wie aufregend es sei, hier zu spielen. Also ja, ich habe viel davon gehört und freue mich schon sehr darauf, dies in den ersten Spielen selbst zu erleben.

 

Sprichst Du schon ein paar Worte Deutsch?

Deutsch ist anders als Norwegisch, aber es gibt einige ähnliche Worte. Außerdem hatte ich ein bisschen Deutsch in der Schule. Also ja, ich kenne ein paar Worte. Flüssig sprechen kann ich es leider noch nicht, aber ich verstehe einige Dinge. Ich hoffe, dass ich mein Deutsch in den nächsten Monaten verbessern und später in der Saison auch selber sprechen kann.

 

Du hast jetzt schon erste Impressionen vom Team gesammelt und bist beim Sommertraining dabei. Was sind Deine Eindrücke?

Mein erster Eindruck war, dass hier alles sehr professionell ist. Der Trainer hat einen guten Plan und es wird sehr hart und intensiv gearbeitet. Die Jungs trainieren sehr hart, um sich jeden Tag aufs Neue zu verbessern. Im Sommertraining geben alle 100% und die Fortschritte sind deutlich zu bemerken.

 

Wie lange bestand denn der Kontakt zu den Verantwortlichen? Gab es lange Verhandlungen?

Das war nach der Weltmeisterschaft und es hat mich nicht so viel Zeit gekostet, eine Entscheidung zu treffen. Es hat vielleicht eine oder zwei Wochen gedauert, wir haben die wichtigen Dinge geklärt und waren uns ziemlich schnell einig. Es hat einfach sehr gut gepasst.

 

Du warst ein sehr guter Scorer in Norwegen. In Schweden hast Du dann weniger gepunktet. Wo siehst Du die Gründe und welche Rolle möchtest du in der DEL spielen?

Ich denke, meine Stärken waren immer mein Skating und das Spiel mit der Scheibe. In Schweden hatte ich ein schweres Jahr. Unser Team hat insgesamt nicht so gut funktioniert und der Trainer wurde entlassen. Ich finde auch, dass wir systematisch nicht gut gespielt haben, sondern jeder gemacht hat, was er wollte. Das hat mir auch nicht besonders gut gepasst und ist meinem Spiel nicht zugute gekommen.Mal läuft es, mal läuft es nicht – eine schlechte Saison hat leider jeder einmal. Aber ich will hart arbeiten, immer 100% zu geben, alles für das Team tun und kämpfen, dann kommen die Punkte von selbst. Ich denke, wenn ich das über die ganze Saison umsetze, dann werde ich eine gute Saison spielen. Ich möchte mich jeden Tag verbessern und blicke mit viel Optimismus auf die neue Spielzeit.

 

Du warst in Norwegen mehrfach Meister. Glaubst du, dass du diese Erfahrungen an das Team weitergeben kannst?

Das Wichtigste ist, dass das ganze Team gemeinsam arbeitet und alle an einem Strang ziehen. Jedes Jahr, in dem wir gewonnen haben, war der Hauptgrund, dass jeder im Team seine Rolle zu 100% akzeptiert und alles für das Team gegeben hat. Tommy und ich haben jetzt einige Titel geholt und wir wissen, was es braucht, um dies zu erreichen. Wir wollen jede Nacht die Besten sein und nicht nur dann, wenn das Glück auf unserer Seite ist. Man muss jeden Tag hart arbeiten und in jedem Spiel sein gesamtes Potential abrufen, um gut zu sein. Man darf nicht den Kopf hängen lassen, wenn man ein Spiel verliert. Man darf nicht über gestern nachdenken, sondern muss immer das Positive mitnehmen und sich auf morgen konzentrieren.

 

Der Torwart wird in Andrew Engelage ein alter Bekannter von Dir sein. Du hast jetzt zwei Jahre, in Norwegen und Schweden, gegen ihn gespielt. Was sind Deine Eindrücke von ihm?

Er ist ein sehr großer Torwart, der sehr aggressiv spielt und den Stürmern das Leben schwer macht. Ich denke, er ist ein wirklich sehr guter Torwart und ich kann mich erinnern, dass wir in Norwegen im Finale ganz große Probleme hatten, gegen ihn zu treffen. Das war ein hartes Stück Arbeit. Er ist ein Torwart, der in der Lage ist, Spiele zu stehlen und der an guten Abenden praktisch unüberwindlich ist. Dann macht er die Tür zu. Es ist gut, ihn hinter- und nicht vor mir zu haben [lacht]

 

Wie würdest Du denn Deine Spielweise beschreiben, wo siehst Du Deine Stärken?

Ich denke, meine größte Stärke ist mein Skating. Ich versuche, in der offensiven Zone die richtigen Passwege zu finden und auch im Forechecking hart zu arbeiten. Außerdem bin ich gut in Kontern, schnellen Angriffen und im Umschaltspiel aus der defensiven Zone. Außerdem bin ich vielseitig einsetzbar, was gerade im Falle von Verletzungen innerhalb der Mannschaft gut ist: Ich kann als Mittel- und Außenstürmer spielen. Das gibt dem Trainer mehr Optionen, mich genau dort einzusetzen, wo meine Fähigkeiten benötigt werden.

 

Siehst Du Dich eher als Torjäger oder als Vorbereiter?

Ich denke, ich bin eher der Spielmachertyp und Vorlagengeber. Aber ich fürchte mich auch nicht, selbst zu schießen. Wenn Schussbahnen da sind, dann ziehe ich ab.

 

Du hast einige Jahre gemeinsam mit Tommy Kristiansen im Team gespielt. Wart Ihr damals auch oft in einer gemeinsamen Reihe und würdest Du Dir wünschen, in einer Reihe mit ihm zu spielen?

Ja, ich habe streckenweise mit ihm in einer Reihe gespielt. Und natürlich im Powerplay. Er ist ein großer, kräftiger Spieler vor dem Tor. Tommy und ich haben eine gute Chemie auf- wie neben dem Eis und verstehen uns sehr gut. Es wäre toll, mit ihm zu spielen. Aber wichtiger ist einfach, ihn im Team zu haben. Er ist ein Spieler, der immer alles für die Mannschaft gibt, der hart arbeitet und den man lieber in den eigenen Reihen hat, als gegen ihn zu spielen. Ich bin froh, wieder mit ihm gemeinsam spielen zu können.

 

Was für ein Mensch bist du abseits des Eises?

Ich bin ein entspannter Typ. Ich esse gerne gut und koche gern. Sonst mache ich nicht all zu viel. Aber ich habe einen Hund und muss mit ihm regelmäßig spazieren gehen. Ansonsten bin ich einfach ein ganz normaler Typ, schaue gerne TV-Sendungen und spiele Golf, wie viele Eishockeyspieler.

 

Mathias, wir freuen uns auf dich!

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