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Neubeginn

Krefeld-Pinguine

Neubeginn

Schwere Zeiten mit gutem Ende

Das Regionalligateam des EHC Krefeld 1978

Nach dem Konkurs des KEV mußte man ganz unten in der viertklassigen Regionalliga neu beginnen. Der EHC Krefeld als Nachfolgeverein des KEV startete unter dem Vorsitz von Willy Furth mit einem Team aus Juniorenspielern und alten, längst inaktiven Bundesligaspielern. Trainer wurde Remy Wellen, der sich auch als Spieler zur Verfügung stellte. Anfangs war man unsicher, ob man mit diesem bunt zusammengewürfelten Haufen in der Meisterschaft bestehen kann. 

Doch schnell zeigte sich: Das Team war für die Regionalliga völlig überqualifiziert und seinen Gegnern haushoch überlegen. Die bemitleidenswerten Konkurrenten des EHC kamen bisweilen derartig unter die Räder, daß es zu geradezu absurden Ergebnissen kam. So mußte der RSC Bielefeld vor über 4.000 Zuschauern in der Rheinlandhalle eine 48:0-Niederlage hinnehmen, was wahrscheinlich bis heute einen Weltrekord darstellt. 

In den Annalen findet sich jedenfalls nur ein Vorkriegsspiel zwischen Kanada und Dänemark, das 47:0 endete. Obwohl angesichts der überforderten Gegner der sportliche Wert der Meisterschaftsspiele eher gering war, erreichte man einen Zuschauerschnitt von immerhin 2.200. Damit war klar: Das Eishockey in Krefeld ist nicht totzukriegen! Der Aufstieg in die Oberliga wurde natürlich ganz nebenbei auch geschafft.

Den Spielern des Regionalligateams gebührt besonderer Dank, da sie dem Krefelder Eishockey in der Stunde der größten Not entschlossen und uneigennützig zur Seite standen. Daher hier zur Erinnerung die Namen aller Spieler aus der Saison 1978/79:

Tor: Helmut Jentges, „Henne“ Obermann, Carlo Jahr

Verteidigung: Thomas Jentges, Manfred Sieburg, Vladimir Potucek, Horst Schüten, Dieter Schirbach, Werner Oberheidt, Jürgen Scherberich

Sturm: Laurens Keussen, Frank Hakenewert, Frank Grünen, Uli Wyes, Bernd Hadamik, Dirk Kempkes, Paul Pawelczyk, Horst Metzer, Roland Kisler, Helmut Remen, Bernd Peltzer, Christophe Roessli

Trainer: Remy Wellen

1979/80 – 1 Jahr Oberliga

Mit dem Aufstieg in die Oberliga wurde das Team fast völlig umgekrempelt. Dies war auch nötig. 

Schließlich erklärten die meisten der im Vorjahr reaktivierten Ex-Bundesligaspieler nun ihren endgültigen Rücktritt. Wertvollste Neuzugänge waren Fritz Rottluff und die beiden Kanadier Francis „Buddy“ Power und Gordon Stanfield, ein jüngerer Bruder von Vic Stanfield. 

Mit dem früheren Nationalspieler Horst Ludwig als Trainer sollte nun der direkte Durchmarsch in die 2. Bundesliga gelingen. Letztlich gelang dies auch, obwohl der KEV den Aufstieg sportlich zunächst knapp verfehlte. 

Doch der am Ende besser plazierte Hamburger SV erklärte aus finanziellen Gründen seinen Aufstiegsverzicht und der EHC konnte somit als Aufsteiger nachrücken.


11 Jahre 2. Bundesliga

Mit der Saison 1980/81 startete der EHC – ab 1981 wieder unter dem Namen „KEV 1981 e.V.“ – in eine 11 Jahre andauernde Zweitklassigkeit. 

Dies ahnte seinerzeit noch niemand; im Umfeld und in Fankreisen sah man die 2. Bundesliga eher als weitere Durchgangsstation für die endgültige Rückkehr ins Oberhaus. 

Doch die Realität sah anders aus. Die Gegner hatten in der 2. Bundesliga schon ein anderes Kaliber als in den vergangenen zwei Jahren. Oft gehörte der KEV durchaus zum Kreis der Aufstiegsaspiranten, doch – obwohl immer wieder namhafte Spieler wie z. B. die Rückkehrer Vic Stanfield, Lothar Kremershof und Günther Kaczmarek und exzellente Torjäger aus Übersee wie Ken Kuzyk, Kenny Brown oder NHL-Star Bob Crawford verpflichtet wurden – gelang erst 1991 unter Führung des eigenwilligen Vorsitzenden Uli Urban der Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga. 

Der sich stets für „seinen“ KEV engagierende Urban nahm es mit den DEB-Statuten und der Einschätzung finanzieller Risiken nicht immer so genau, womit er den KEV mehrfach nahe an den Abgrund führte. So verkalkulierte er sich des öfteren bei der Ansetzung des Etats oder „übersah“ beispielsweise in der für den KEV schwärzesten Saison dieser Zeit 1985/86, daß der deutschstämmige Kanadier Randy Spielvogel sich nicht – wie vorgegeben – die für die Erteilung der Spielgenehmigung erforderlichen 18 Monate inaktiv in der Bundesrepublik aufgehalten hatte. 

Im Ergebnis wurden damals dem KEV alle mit Spielvogel errungenen Punkte abgezogen, was die finanziell unlukrative Abstiegsrunde zur Folge hatte. 

Doch immer wieder verstand es der emsige Urban, das Umfeld für sich zu gewinnen und 1991 war er es, der kurzentschlossen die riskanten, doch letztlich erfolgreichen Maßnahmen für den Wiederaufstieg ergriff.


Der Wiederaufstieg

Nach einem grottenschlechten Start in die Saison 1990/91 – der KEV zierte das Tabellenende – vollzog Uli Urban während der laufenden Saison einschneidende Änderungen am Team und wagte „die Flucht nach vorn“. 

Der Wagemut und die fast schon draufgängerische Risikobereitschaft des KEV-Bosses sollten sich diesmal bezahlt machen. Mit Mike Zettel wurde ein kanadischer Trainer verpflichtet. 

Spieler, die nicht „spurten“, wurden kurzerhand entlassen und gegen neue, hochkarätige Topleute ersetzt. So holte man z. B. den 44fachen tschechischen Nationaltorhüter „Hexer“ Karel Lang, den Torjäger Fancois Sills und den überragenden Techniker Peter Jedrus. 

Von nun an gab es kein Halten mehr für den KEV, der Bann war gebrochen, man eilte von Sieg zu Sieg und erreichte am Ende in der Aufstiegsrunde den zweiten Platz. Damit mußte der KEV mit dem Bundesliga-Vorletzten PEV Weißwasser den zwölften Platz im Oberhaus ausspielen. 

Im entscheidenden dritten Spiel fegte der KEV vor 6.000 restlos begeisterten Zuschauern den Kontrahenten aus dem Osten mit 6:1 vom Eis der Rheinlandhalle. Der Aufstieg war perfekt! In Krefeld löste die Rückkehr in die Erstklassigkeit eine unglaubliche Eishockey-Euphorie aus. 

Der Weg in eine neue Ära war frei …

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