KEV-Alumni Klaus Micheller spricht über seine Karriere

KEV-Alumni Klaus Micheller spricht über seine Karriere

In der abgelaufenen Spielzeit haben wir unseren Alumni-Club ins Leben gerufen. Gegen Köln waren viele ehemalige Eis-Helden in der Halle.

Nach und nach möchten wir hier Spieler aus der KEV-Historie vorstellen. Den Anfang macht Klaus Micheller. Der gebürtige Kaufbeurer stand von 1991 bis 1998 für die Krefeld Pinguine auf dem Eis.

Wie sind Sie damals zum Eishockeysport gekommen und was hat Ihr Interesse an diesem Sport geweckt?
Meine Heimatstadt Kaufbeuren war als Bundesligaverein natürlich schon ein großer Name im Eishockey. So bin ich schon als kleiner Junge zu Eishockeyspielen gegangen. Aber auch mein großer Bruder hat Eishockey gespielt und konnte mich schon früh dafür begeistern. Außerdem war Dieter „Didi“ Hegen der Klassenkamerad meiner Schwester. So kam ich schon früh in Kontakt mit dem Eishockeysport.

Nach Ihrer Ausbildung in Kaufbeuren wechselten Sie zunächst nach Berlin und später an den Niederrhein. Wie kam es dazu?
Berlin war zu der Zeit auf der Suche nach jungen Spielern und der Manager der Berliner kam aus Kaufbeuren und kannte mich schon, sodass der Kontakt sofort zustande kam. Bei dem Wechsel nach Krefeld war es ähnlich. Holger Ustorf, mein Nachwuchstrainer in Kaufbeuren, informierte mich über Krefeld und konnte mich dadurch überzeugen nach Krefeld zu wechseln.

Nach Ihren Erfolgen im Verein wurden Sie in die Nationalmannschaft berufen. Wie kam es dazu und was war das für ein Gefühl das erste Mal für die Nationalmannschaft auf das Eis zu gehen?
Da ich alle Jugendmannschaften der Nationalmannschaft durchlaufen hatte, war ich für den DEB kein unbekannter Spieler mehr. Ich habe mich von der Jugend hochgearbeitet und zunächst bei kleineren Turnieren mitgespielt. Es ist natürlich ein super Gefühl, wenn man das erste Mal für die Nationalmannschaft aufläuft und die Hymne hört.

Gibt es Spiele an die Sie sich gerne erinnern, oder auch welche, an die Sie überhaupt nicht gerne zurückdenken?
Ich erinnere mich an ein Spiel aus der Zeit in Berlin. Dort haben wir gegen Landshut gespielt. Die Mannschaft von Landshut haben wir wohl etwas unterschätzt, weil dort noch viele junge Spieler gespielt haben. Wir haben das Spiel zwar dominiert und hatten auch unzählige Chancen, lagen aber nach zwei Dritteln 0-7 zurück und keiner wusste, wie das passieren konnte. Da ärgere ich mich heute noch drüber. Glücklicherweise konnten wir im letzten Drittel noch einige unserer Chancen nutzen und den Rückstand aufholen und zumindest noch ein Unentschieden herausholen (7:7). Da es damals noch keine Overtime gab, blieb es bei dem Ergebnis. Wenn ich heute an dieses Spiel zurückdenke, war es sowohl einer der schlechtesten als auch eines meiner besten Spiele. So eine Aufholjagd im letzten
Drittel schafft man auch nicht jeden Tag. Da wir uns nach dem Spiel trotzdem so sehr über uns geärgert haben, sagte der Trainer noch zu uns: „Gebt den Jungs Bier! Mit einer Flasche am Mund können sie nicht reden!“ Natürlich war das Ausscheiden in Playoff-Halbfinalspielen sowohl mit Berlin als auch mit Krefeld nach 2-0 Führung in der Serie und dann 3 Niederlagen in Folge bei einer Best-of-five-Serie immer bitter. Da wäre ich gerne mal ins Finale eingezogen.

Gab es vielleicht auch besondere Momente außerhalb vom Eis?
In meiner ersten Saison in Krefeld hatten wir unser erstes Spiel der Saison auswärts in Köln mit 3:1 gewonnen. Als wir dann mit dem Bus zurück an die Westparkstraße gefahren sind, haben uns die Fans lautstark begrüßt und uns gefeiert. In dem Moment habe ich mir nur gedacht: Wenn es hier jetzt schon so laut ist, wie wird es dann wohl bei den Heimspielen werden? Und so war es dann auch. Die Stimmung in der Rheinlandhalle war unglaublich. In den ersten zwei Jahren spielte sicherlich die Freude über den Aufstieg eine Rolle, der in Krefeld eine große Euphorie ausgelöst hatte. Wir Spieler haben immer versucht die Stimmung aufzusaugen, um dann eine gute Leistung auf’s Eis zu bringen.

Vermissen Sie Ihre Zeit als Spieler?
Ich vermisse die Zeit schon und ich rede auch mit alten Teamkollegen aus dem Alumni-Club immer wieder über die alten Zeiten. Es war immer sehr viel harte Arbeit im Training, vor allem in der Sommerpause, aber die hat sich dann meistens bei den Spielen auch ausgezahlt. Nach einem Sieg mit den Jungs zu feiern – das fehlt mir manchmal schon. Aber ich bin auch froh auf so eine erfolgreiche Karriere zurückblicken zu können.

Hatten Sie einen bestimmten Angstgegner oder Lieblingsgegner oder vielleicht sogar – Spieler außerhalb oder innerhalb der Mannschaft?
Einen Angstgegner hatte ich nie wirklich. Ich habe aber immer gerne gegen meine ehemaligen Vereine gespielt, da ich dann immer alte Kollegen wieder getroffen habe. Innerhalb der Mannschaft gab es natürlich den normalen Konkurrenzkampf, den es aber eigentlich in jeder Mannschaft gibt. Als später dann noch ein paar ausländische Spieler dazu kamen, wurde der Konkurrenzkampf noch ein bisschen härter. Wenn man da nicht alles gibt, rutscht man ganz schnell ab und bekommt immer weniger Eiszeit. Auf dem Eis ging es unter den Spielern teilweise noch härter zu als heute, weil es die Regeln auch noch zugelassen haben. Nach dem Spiel gab man sich die Hand und alles war wieder gut. Und so
soll es ja auch sein.

Wenn Sie den Eishockeysport von früher mit heute vergleichen, wo liegen da die Unterschiede und würden Sie heute vielleicht etwas ändern wollen?
Heute ist das Tempo im Eishockey natürlich viel höher als früher. Die Spieler trainieren intensiver und sind dadurch auch etwas fitter als damals. Allerdings ging es auf dem Feld etwas härter zu als heute. Ich würde mir für die DEL wünschen, dass die Teams mehr deutsche Spieler einsetzen müssen. Dann wäre Deutschland bei der WM vielleicht konkurrenzfähiger und Spiele wie zuletzt gegen die Slowakei würden nicht mit einen glücklichen Sieg zustande kommen.

Hatten Sie vor jedem Spiel ein Ritual, ohne das Sie nicht auf das Eis gegangen wären?
Vor dem Spiel musste ich immer erst eine große Portion Nudeln essen, sonst habe ich mich immer so gefühlt, als ob ich ein Loch im Bauch hätte. Ansonsten hatte ich keine bestimmten Dinge die ich vorher gemacht habe. Ich hatte immer das gleiche Aufwärmprogramm und mir war wichtig, dass der Ablauf vor jedem Spiel gleich war. So konnte ich mich immer gut auf das Spiel konzentrieren.

Haben Sie die DEL, insbesondere die Krefeld Pinguine in diesem Jahr verfolgt?
Ja, auch wenn ich nicht bei vielen Spielen im Stadion war, habe ich, wenn ich Zeit hatte, viele Spiele im Fernsehen verfolgt. Neben der DEL habe ich mir aber auch die Spiele von meinem Schwiegersohn angesehen. Die Pinguine hätten es durch etwas glücklichere Umstände durchaus in die Playoffs schaffen können. Das war dieses Jahr wirklich sehr knapp.

Wie schätzen Sie die Chancen für die kommende Saison ein?
In Krefeld ist es immer schwierig, da sie nicht die finanziellen Mittel haben wie andere Vereine. Wenn sie aber so weiter arbeiten wie in der letzten Saison, traue ich ihnen mindestens einen Pre-Playoff-Platz zu

Schreibe einen Kommentar

Das Archiv
   Ticket Kaufen