Justin Feser: „Man muss sich die höchsten Ziele setzen“

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Justin Feser war der letzte Neuzugang. Seit Ende Juli ist er nun in Krefeld und bereitet sich mit seinen Teamkollegen neben Drehs und Fototerminen auf die Spielzeit 2017/18 vor. Im Interview spricht er über seine Ziele mit den Krefeld Pinguinen.

Hallo Justin, willkommen in Krefeld! Du bist der letzte Neuzugang der Pinguine. Was sprach für Krefeld?

Für mich ist es eine weitere Möglichkeit, in meiner Karriere den nächsten Schritt zu machen und auf dem höchsten Niveau zu spielen, auf dem ich spielen kann. Ich sehe Krefeld als eine neue Herausforderung für meine Karriere.

 

Wie lange bestand denn der Kontakt zu den Verantwortlichen? Waren es lange Verhandlungen?

Der Vertragsabschluss ging eigentlich recht schnell. Ich habe einige Male mit Rick Adduono gesprochen und habe im Vorfeld einfach nichts als gute Sachen über Krefeld und die Pinguine gehört. Insgesamt war alles ziemlich rund. Ich freue mich sehr darauf, in Krefeld zu spielen.

 

Bislang kennst Du in Europa die Schweizer Liga. Welche Unterschiede erwartest Du in der DEL?

Das ist eine schwere Frage. Ich denke, die DEL wird physischer sein. Ein bisschen kenne ich die DEL von Vorbereitungsspielen mit Olten. Ich denke, der Stil in der DEL ist eher nordamerikanisch. Wirklich jeder Spieler in der Liga hat eine hohe individuelle Qualität und insgesamt ist das Niveau in der Liga sehr gut und ausgeglichen. Ich denke, die DEL ist schon ein ziemlich großes Kaliber.

 

Du bist direkt von den Juniors nach Europa gegangen und hast nur 6 Spiele in der AHL gemacht. Da hast Du Dich aber gut geschlagen und warst einer der besten Scorer der WHL. Warum also so früh der Schritt über den „großen Teich“?

[Lacht] Das ist eine weitere sehr schwere Frage. Es war einfach eine Frage der Möglichkeiten in der entsprechenden Situation. Von den Angeboten, die ich zu dem Zeitpunkt hatte, habe ich mir in der Schweiz die beste Eiszeit, die besten Entwicklungsmöglichkeiten als Spieler ausgerechnet. Hier konnte ich direkt eine gute Rolle im Team einnehmen, in Nordamerika hätte ich vielleicht irgendwo in der vierten Reihe gespielt, was mir dann vielleicht nicht so gelegen hätte. Ich wusste einfach, dass ich in der Schweiz gleich spielen würde. Das war der Hauptgrund. Es war einfach die beste Gelegenheit in der Situation.

 

Du hast die letzten vier Jahre in Olten gespielt. Hast Du da denn schon etwas (schweizer) Deutsch gelernt?

Ein bisschen. Aber es war schon sehr schwierig, das Schweizer Deutsch zu verstehen und zu lernen. [lacht]. Also ich kann es schon einigermaßen verstehen, aber nicht gut sprechen. Wenn ich eine Unterhaltung höre, dann bekomme ich schon einigermaßen mit, worum es geht.

 

Die Pinguine werden im nächsten Jahr ein sehr junges, kräftiges und vor allem großes Team haben. Du bist eher ein kleinerer Spieler. Hilft es Dir da, zu wissen, dass Du viele solche „Brocken“ hinter Dir hast?

Ja, definitiv. Es ist immer ein Vorteil, große Spieler im Team zu haben. Die Jungs können ihre Größe zu ihrem Vorteil nutzen. Ich weiß aber nicht, ob das in jedem Fall gilt. Ich meine, ich komme mit meiner Größe auch sehr gut zurecht. Dann aber jemand großes neben Dir zu haben, der Räume reißt, ist immer sehr gut.

 

In der NLB hast Du einen Schnitt von über einem Punkt pro Spiel hingelegt. Glaubst Du hier einen ähnlichen Schnitt halten zu können?

Das kann ich noch nicht sagen. Ich konzentriere mich nicht auf persönliche Tore oder Scoring. Versteht mich nicht falsch, ich habe sehr hohe Ziele für mich selbst und möchte immer das Optimum leisten und erreichen. Aber wichtig ist erst einmal der Teamerfolg. Und dann kenne ich natürlich die Liga noch nicht so richtig. Ich werde einfach kommen, mein Spiel spielen und das ist im Normalfall, Punkte zu machen und Tore zu schießen. Das tue ich, so gut ich es kann. Dann werden wir sehen, was dabei herauskommt.

 

Für viele Ausländer ist die Stimmung in Deutschland ganz besonders. Hast Du davon schon gehört und freust Du Dich darauf?

Ja, als ich in der Schweiz war, haben wir ein Spiel in Deutschland gespielt. Ich weiß nicht mehr genau, wo es war, aber die Fans waren ziemlich laut und enthusiastisch. Sie waren sehr im Spiel und haben Energie gegeben. Die Fans in der Schweiz sind auch ziemlich gut, aber ich freue mich auf viele Fans und laute Stadien. Ich glaube, das wird toll!

 

Mit Tri City hast Du in Deinem zweiten Juniorenjahr das Finale erreicht. Mit Olten hast Du auch schon ein Finale um den Aufstieg verloren. Wie sehr steigert das den Wunsch, endlich etwas zu gewinnen?

Ja, das Gefühl, zu verlieren, ist verdammt hart. Aber es ist richtig, das bringt Dich dazu, es wieder erleben zu wollen, dahin zurück zu wollen und es besser zu machen. Als wir mit Olten im Finale verloren haben, war das eine große Enttäuschung. Es hat das Verlangen nicht gerade minimiert. Wenn Du so nah warst und dann verlierst, dann ist das wirklich bitter. Ich möchte unbedingt wieder etwas in den Playoffs erreichen. Definitiv.

 

Die Fans in Krefeld kennen Dich natürlich noch nicht. Wie würdest Du Deine Spielweise und Deine Stärken beschreiben?

Ich bin insgesamt ein eher offensiver Spieler. Ob das jetzt Torjäger oder Vorbereiter ist, ich kann beides ganz gut. Ich weiß nicht, ob ich sagen würde, dass ich der bessere Torjäger oder Vorbereiter bin. Einfach ein kreativer, offensiver Spieler, der aber auch weiß, was er in der Defensive zu tun hat. Ich bin ein guter Schlittschuhläufer, scheue mich aber auch nicht vor Körperkontakt. Ich gehe in die harten Zonen, vor das Tor, in die Ecken. Ich kann alles ein bisschen. [lacht]

 

Du bist als Center und Linksaußen gelistet. Was ist Deine Lieblingsposition?

Ich spiele am liebsten als Center. Ich habe nur ein Jahr als Linksaußen gespielt und das ist glaube ich etwa acht Jahre her. Aber wenn ich Außen spielen soll oder einfach eine andere Position einnehmen muss, dann ist es kein Problem. Im Grundsatz ist es einfacher für Center, außen zu spielen, als umgekehrt.

 

Gibt es denn im Team Jungs, die Du schon persönlich kennst?

Nein, bisher kenne ich niemanden. Es werden alles neue Gesichter sein und eine neue Erfahrung, eine ganz neue Gruppe von Jungs kennen zu lernen. Klar, das ist am Anfang immer etwas schwierig, aber es ist ein Teil des Spiels, des Berufs als Eishockeyprofi.

 

Was bist Du denn abseits des Eises für ein Typ, was sind z.B. Deine Hobbys?

Ich bin ein ziemlich entspannter Typ. Im Sommer spiele ich gern Golf und mache gern Dinge draußen. Ich spiele gern andere Sportarten, Baseball zum Beispiel. Alles ganz normale Dinge, nichts verrücktes.

 

Was ist im Golf Dein Handicap?

Das weiß ich gar nicht so genau. Ich denke, es liegt irgendwo bei vier oder fünf.

 

Eine interessante Frage für viele weibliche Fans ist natürlich auch Dein Beziehungsstatus. Hast Du eine Freundin oder bist verheiratet?

Ich bin vom Markt. Ich bin seit letztem Jahr verlobt und werde nächsten Sommer heiraten.

 

Was sind denn für Dich die Ziele – persönlich wie für das Team – für die kommende Saison?

Ganz klar, ich möchte die Meisterschaft gewinnen. Das ist immer das Ziel. Persönlich möchte ich einfach als Spieler weiterwachsen, meine Fähigkeiten weiterentwickeln und einfach so gut spielen, wie ich kann.

 

Wenn Du sagst, Du willst Meister werden, dann weißt Du schon, dass Krefeld kein Favorit ist, sondern eher um die Playoffs kämpft?

Ja, das weiß ich. Aber ich denke, man muss sich die höchsten Ziele setzen. Und das höchste Ziel ist eben die Meisterschaft. Natürlich müssen wir erst einmal die Playoffs erreichen und dann von Spiel zu Spiel sehen. Aber das ultimative Ziel vor einer Saison ist nun einmal die Meisterschaft. Und die will ich gewinnen, bis es nicht mehr zu erreichen sein sollte. Bis zum letzten Wechsel der Saison.

 

Der Sommer ist nun vorbei, die Saison geht bald los. Wie hast Du denn den Sommer verbracht? Warst Du im Urlaub?

Ich habe den Sommer in meiner Heimatstadt, in Red Deer, Alberta, verbracht. Ich habe eine Woche mit meiner Familie in Phoenix (Arizona) Urlaub gemacht. Ich habe trainiert,  Freunde und Familie getroffen, die ich ja das restliche Jahr über nicht sehe, und solche Dinge. Also ziemlich entspannt.

 

Wir freuen uns auf die Saison mit dir Justin!