Joel Keussen: „Ich möchte mir das Vertrauen von Trainer und Mannschaft verdienen“

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oel Keussen ist gebürtiger Duisburger. Mit dem Eishockey hat er aber in Krefeld angefangen. Von hier aus startete der 25-Jährige unter anderem in Richtung Herne, Essen, Bad Nauheim oder auch Frankfurt.

Mit den Hessen konnte Keussen in der abgelaufenen Saison sogar den Meistertitel der DEL2 feiern. Nun wagt Joel Keussen einen erneuten Anlauf in der DEL. Im Interview stellt sich der Wiederneuzugang genauer vor.

Hallo Joel, Du hast kürzlich einen Vertrag in Krefeld unterschrieben. Was waren für Dich die Gründe, zu den Pinguinen zurück zu kommen?

Da gab es einige. Zunächst einmal wird mein Sohn jetzt 6 Jahre alt und kommt im Sommer in die Schule. Und er lebt mit seiner Mutter hier in der Gegend. Wir haben uns vor einigen Jahren getrennt. Aber dieses Alter ist eben eine sehr wichtige Zeit für ihn, bzw. für Kinder generell, und da will ich einfach bei meinem Sohn sein. Und natürlich würde ich lügen, wenn ich sagen würde, dass Krefeld nicht interessant und etwas Besonderes für mich ist. Auch, weil ich hier natürlich DEL spielen kann. Es ist die höchstmögliche Liga in Deutschland und als Sportler will man das natürlich erreichen. Das dann mit meinem Sohn verbinden zu können ist einfach perfekt und ein Traum für mich.

Du hast als ganz junger Spieler bereits für die Pinguine gespielt, brauchtest dann aber die Entwicklung in der zweiten und dritten Liga. Was denkst Du, hast Du in dieser Zeit vor allem gelernt?

Oh, das ist schwer. Eine gute Frage. Natürlich entwickelt man sich in der Zeit weiter. Natürlich habe ich einige Kilo drauf gepackt, einiges erlebt, einige Trainer gehabt, die mir Dinge mitgegeben haben. Taktisch hilft das eben auch. Aber ich glaube, was ich am meisten gelernt habe, ist, in allen Belangen cooler zu bleiben. Nicht nur, auf dem Eis ruhiger mit Rückschlägen umzugehen, sondern auch, wenn der Trainer mal nicht so auf mich baut, oder es für das Team mal nicht so gut läuft, einfach persönlich etwas ruhiger zu bleiben und das nicht so sehr an mich heran zu lassen. Einfach mit Rückschlägen aller Art, im Spiel und außerhalb, souveräner umzugehen. Und trotzdem konzentriert bei der Sache zu bleiben und mich nicht aufzugeben. Das ist mir über die Jahre immer wieder vor Augen geführt worden. Daran bin ich am meisten gewachsen. Natürlich gibt es auch immer physische, taktische und spielerische Dinge, die man lernt. Aber das ist ja klar, dass da die Entwicklung nicht abgeschlossen ist, wenn man mit 17 Jahren in den Profi-Bereich geht. Jetzt, mit knapp 26, habe ich mich da weiterentwickelt, sonst wäre das Team ja auch nicht auf mich aufmerksam geworden.

In den letzten Jahren hast Du Dich auch auf DEL2-Niveau zu einem sehr offensivstarken Verteidiger entwickelt und warst einer der Topverteidiger der Liga. Wie siehst Du da Deine Rolle in Krefeld?

Ich sehe mich zunächst in der Defensivrolle. Ich werde erst einmal nicht davon ausgehen, offensive Aufgaben zu bekommen. Natürlich ist das ein bisschen mein Stil, offensiv zu spielen und das liegt mir auch. Und natürlich spiele ich auch gern offensiv. Aber man kann jetzt nicht erwarten, als 25-jähriger deutscher Spieler aus der zweiten Liga zu kommen, dort offensiv ganz gut gespielt zu haben, und dann in die DEL zu gehen und da auf einmal die Liga abzuschießen. Ich gehe in die DEL, um mich weiter zu entwickeln. Mir ist klar, dass ich mich entwickeln muss, um offensiv Akzente zu setzen. Das ist viel harte Arbeit und viel Lernen. Also ich gehe sicher nicht davon aus, in der DEL einen Punkt pro Spiel hinzulegen. Das wäre ja utopisch! Nein, ich möchte mich über defensive Arbeit empfehlen, dem Trainer da zu 100% zeigen, dass er mir vertrauen kann und vor allem meinen Mitspielern zeigen, dass sie mir vertrauen können. Wenn mir das gelingt, werden wir sehen, wo die Reise hin geht.

Trotzdem bist Du Rechtsschütze und Rechtsschützen sind vor allem für das Powerplay immer gesucht. Wie schätzt Du Deine Chancen ein, hier Eiszeit zu bekommen?

Natürlich spiele ich gern Powerplay und habe da viel Spaß! Das ist einfach so. Aber inwiefern ich eingesetzt werde, oder nicht, das kann ich nicht direkt beeinflussen. Außer, durch meine Leistung. Ich kann den Trainer nur durch gute Leistungen und Zuverlässigkeit, durch harte Arbeit im Training und Spiel, dazu veranlassen, mir zu vertrauen und mir die Chance irgendwann mal zu geben, mir auch im Powerplay Eiszeit zu geben. Aber da denke ich, müssen vorher viele andere Dinge passieren, bevor ich auch nur irgendwie ansatzweise Ansprüche im Powerplay stelle. Ich möchte erst einmal ganz zuverlässig meinen Job machen und die Frage im Endeffekt genauso beantworten, wie die vorige: Ich möchte mir das Vertrauen von Trainer und Mannschaft verdienen und dann sehen, was kommt.

Du bringst die Erfahrung der Meisterschaft mit Frankfurt mit nach Krefeld. Neben Dir gibt es einige weitere Spieler, die Titel feiern konnten. Tommy Kristiansen ist mehrfach Meister in Norwegen, Nick St. Pierre war Meister in Tschechien und Adrian Grygiel sogar mit Krefeld. Was könnt Ihr da in die Kabine bringen, um den vielzitierten „winning spirit“ ins Team zu tragen?

Ich denke, und das hab ich in Frankfurt immer gesagt, das Wichtigste ist für uns nicht unbedingt die Platzierung. Klar, wir wollten unter die ersten Vier, das war unser Ziel, aber unser Ziel muss es sein – und das gilt eben auch für Krefeld – eine Top-Teamchemie aufzubauen und dass die Mannschaft untereinander gut miteinander auskommt und sich hier alle respektieren. Man muss nicht jeden mögen, aber man muss jeden respektieren. Ich denke, das war in Frankfurt unsere Hauptaufgabe in der Hauptrunde und das gilt eben jetzt für Krefeld. Im letzten Jahr haben wir das sehr gut gemacht, deshalb waren wir in den Playoffs auch ein wirklich sehr schwerer Gegner und schwer zu schlagen. Ich will versuchen, das in Krefeld eben auch mit einzubringen und ein Teil des Teams, ein Teil der Teamchemie zu sein, mich einzubringen und Leute mitzunehmen und das Team kompakt und gefährlich zu machen.

Du bist ein sehr großer und kräftiger Verteidiger. Bist Du ein Typ, von dem man auch harte Checks erwarten kann, oder siehst Du Dich eher als spielerischer Typ?

Mhhh, also ich bin jetzt nicht der Typ, der in jedem Wechsel irgendwelche Checks fährt. Oder, Checks schon, ja, aber ich bin halt keiner, der irgendwelche spektakulären Open-Ice-Hits hinlegt sodass ständig die Bande kracht. Das bin ich nicht. Ich bin ein Spieler, der versucht, smart zu spielen und durch wenig Energie möglichst effektiv und zuverlässig zu sein. Ich versuche, wenig ermüdende Checks zu fahren, wenn man das so übersetzen kann. Ich will effektiv sein. Klar werden auch Checks gefahren, natürlich blocke ich Schüsse, natürlich arbeite ich hart, aber ich versuche eher, meine Position zu halten und intelligent zu spielen, als ständig die Bande wackeln zu lassen und in die Ecken zu gehen.

Wo siehst Du denn ansonsten insgesamt Deine Stärken auf dem Eis, wie würdest Du Deine Spielweise beschreiben?

Das ist situationsabhängig. Natürlich bin ein Spieler, der gern die Scheibe am Schläger hat und das Spiel trägt. Aber man wird sehen, wie das in der DEL funktionieren wird. Deswegen ist das etwas schwierig für mich, jetzt Prognosen abzugeben. In der DEL2 war ich in jedem Fall ein Spieler, der die Scheibe gern am Schläger hatte, der Dinge kreiert hat. Aber die DEL ist eben noch einmal ein ganzes Stück besser, als die DEL2. Inwiefern das da funktionieren kann, wie viel Scheibenzeit ich da haben werde, wie das alles dann aussieht, das kann und werde ich jetzt nicht einschätzen, denn ich würde mir damit ja auch nur unnötig Druck aufbauen, weil ich vielleicht Erwartungen schüre, die dann nicht haltbar sind.

Und abseits des Eises? Was bist Du für ein Typ, was sind z.B. Deine Hobbys?

Tatsächlich habe ich gar nicht so viele Hobbys. Wenn ich daheim bin, ist meistens mein Sohnemann da. Dann beschäftige mich natürlich mit ihm. Ansonsten höre ich gern Musik und liebe es, Auto zu fahren. .

Insgesamt steht jetzt der Sommer auf dem Plan, ehe es dann mit dem Team Anfang August aufs Eis geht. Was sind Deine Pläne für die Sommerzeit?

Nichts Besonderes. Ich würde gern noch ein bisschen weg fahren, gerne auch mit meinem Sohn. Aber das ist halt nicht so leicht, da er im Kindergarten voll eingespannt ist. Noch ist also nichts Konkretes geplant.

Joel, wir wünschen dir eine tolle und vor allem verletzungsfreie Saison!