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Jeremy Welsh: Meine Rolle im Team wird sich entwickeln

Jeremy Welsh: Meine Rolle im Team wird sich entwickeln

Die ersten Tage in der neuen Heimat sind absolviert. Auch den ersten Kontakt mit Fans hat es für die Profis der Pinguine bereits gegeben. Zeit für ein weiteres Spielerportrait: Heute stellt sich Jeremy Welsh im Gespräch vor.

Hallo Jeremy, was hat Dich von einem Wechsel zu den Pinguinen überzeugt?

In erster Linie hat mir, als ich in der vergangenen Saison gegen sie gespielt habe, ihr Stil gefallen. Man konnte gut sehen, dass sie ein sehr gut gecoachtes Team sind, das in der Offensive gute Lösungen hat. Ihre Verteidigung ist aktiv in der Zone, sie spielen schnelle Querpässe, zirkulieren die Scheibe gut und haben eine kreative Offensive.

Wie lange hast Du denn mit den Verantwortlichen in Kontakt gestanden? Es gab ja vor Jahren schon einmal Gespräche. Ist der Kontakt seitdem geblieben?

Ich würde sagen, es ging schnell. Sie haben das Angebot gemacht, dann habe ich mit Matthias [Roos] gesprochen. Sie haben mir dann einige Zeit gegeben, darüber nachzudenken und das war es dann schon. Es ging eigentlich nicht so sehr um das Angebot aus Krefeld, worüber ich nachgedacht habe, sondern eher um die grundsätzliche Entscheidung, ob ich in Deutschland bleiben, oder etwas ganz Neues probieren will.

 Im Vorjahr in Wolfsburg lief es für das ganze Team und damit auch dich nicht nicht gut. Wo siehst Du die Gründe?

Ich bin ja erst später zum Team gestoßen. Also kann ich nicht zur ganzen Saison etwas sagen. Aber ich denke, unter dem Strich war es vor allem der Saisonstart. Sie hatten so furchtbare erste 20 Spiele. Ich denke, als ich dann Ende November dazu kam, waren wir schon auf einem guten Weg. In der Zeit, als ich dabei war, waren wir von den Punkten her ein Playoff-Team. Aber wir haben nicht geschafft, diesen Start noch aufzuholen. Wenn Du so eine Serie hast, dann verfolgt Dich das eben über die ganze Saison.

Vor zwei Jahren hast Du in Düsseldorf gespielt, kennst also die Derbys. Was ist Deine bisher prägendste Erinnerung an Krefeld?

Meine lebhafteste, prägendste Erinnerung ist sicher, als wir damals mit dem Bus aus Düsseldorf gekommen sind. Wir sind dann außerhalb das Stadions an einer Bar [dem Karussell] vorbei gefahren. Da sind dann einige Jungs herausgekommen, haben dem Bus den Finger gezeigt, gesungen und gerufen und so weiter. Das war schon beeindruckend. [lacht] Also das ist die prägendste Erinnerung und ich hoffe und vertraue darauf, dass es im nächsten Jahr besser wird! [lacht]

Du hast, bevor Du nach Europa kamst, am Union College gespielt. Was hast Du studiert? 

Ich habe einen Master-Abschluss in Wirtschaft. 

Obwohl Du nie gedraftet wurdest, hast Du es bis in de NHL geschafft und dort auch ein Tor geschossen. Was war das erste Spiel und besonders das erste Tor für ein Gefühl? 

Oh, das war unglaublich. Auf dem Eis zu stehen und zu treffen war ziemlich weit auseinander. Ich habe ziemlich lange gebraucht, ich glaube etwa 25 Spiele, um mein erstes Tor zu schießen. Aber klar, das war ein tolles Gefühl. Wobei ich das in dem Moment gar nicht so realisiert habe. Es war einfach so, dass ich voll im Spiel und der Saison war und da so gar nicht drüber nachgedacht habe. Heute im Rückblick war es einfach ein wunderbarer Moment in meinem Leben. Und etwas, das ich für den Rest meines Lebens habe. Aber wie gesagt, damals wollte ich einfach nur den nächsten Wechsel gut spielen, in der Liga, im Team bleiben, meinen Job machen. Das ist dann eben kein Sightseeing und da konnte ich die Gefühle gar nicht so ausleben. Trotzdem: Im Rückblick waren da einige ziemlich coole Momente. Das fängt mit Flügen in einem privaten Charterjet zu den Spielen an und endet bei den Hotels. Da war schon einiges echt beeindruckendes dabei. Und natürlich auch einige der Jungs gegen die ich gespielt habe. Wie Pavel Datsyuk, Jaromir Jagr, Alex Ovechkin und  so weiter, das war schon richtig cool.

 Ist die NHL denn immer noch ein Ziel? Oder hast Du diesen Traum mit über 30 aufgegeben?

[lacht] Ich denke, das ist vorbei und ich bin heute zu alt, noch einmal zurück zu kommen. Es wird immer mehr ein Spiel für junge Spieler. Also als ich mit 27 Jahren nach Europa gekommen bin habe ich dieses Kapitel geschlossen und für mich abgehakt. Ich konzentriere mich jetzt auf Hockey in Europa und den Stil, der hier gespielt wird. Also es ist so ein bisschen wie ein zweites Leben, eine zweite Karriere und Du musst Dich da auch wirklich umstellen, was die Spielweise angeht.

Du bist seit drei Jahren in Deutschland, wirst also die meisten Deiner Mitspieler in Krefeld kennen. Gibt es welche, bei denen es mehr als ein paar Worte vor oder nach dem Spiel gibt?

Nein, da gibt es niemanden. Nicht mehr. Ich habe damals in Chicago mit Jordan Caron zusammen gespielt und bevor ich unterschrieben habe, hab ich mit ihm gesprochen und mir erzählen lassen, wie es hier ist, wie die Coaches sind und so weiter. Er hat gesagt, dass die Trainer super sind und es eine tolle Gruppe von Jungs ist. Das war dann auch ein Hauptgrund, warum ich unterschrieben habe. Ich wollte für Trainer spielen, die wissen was sie tun und gute Jungs um mich haben. Das ist mir sehr wichtig.

Kommen wir ein bisschen zu Dir persönlich. Welches war als Kind Dein Lieblingsteam? 

Tatsächlich hatte ich da gar keins. Als ich Kind war, liefen die Leafs immer im Fernsehen. Jeden Samstagabend wurden die Toronto Maple Leafs übertragen. Aber sie waren ein Team, das mir nicht gefallen hat, sie waren alt und langsam und haben auch selten etwas gewonnen. Also habe ich eigentlich als neutraler Hockeyfan die Spiele geschaut und nicht mit einem speziellen Team gefiebert.

Hattest Du denn einen Lieblingsspieler, nach dem Du vielleicht auch dein Spiel ein bisschen ausrichtest?

Nein, auch nicht wirklich. Ich habe eigentlich immer die Jungs angeschaut, die einfach gut waren und von denen man sich etwas abschauen konnte. Jungs wie Joe Sakic, Peter Forsberg, später Pavel Datsyuk, diese Jungs. Aber einen wirklichen Lieblingsspieler gab es nicht, nein.

Schaut man auf Deine Statistik, sind da recht wenige Strafminuten. Heißt das, dass Du, obwohl Du mit 1,91 m ziemlich groß bist, eher nicht so physisch spielst? Schlägereien wird man von Dir selten sehen? Oder ist Disziplin einfach so groß geschrieben? 

[lacht] Ja ich denke, das kann man so sagen. Also ich denke schon, dass ich meinen Körper gut einsetze und sehr hartnäckig bin und auch hart in den Zweikämpfen arbeite und da von meinem Körper auch Gebrauch mache. Ich bin schon ein kräftiger Typ, der auch seinen Job im Zweikampf macht. Aber ich glaube, meine ganze Karriere – schon als kleines Kind – wurde mir beigebracht, dass es eine schlechte Sache ist, eine Strafe zu bekommen. Also versuche ich, das so weit wie irgend möglich zu vermeiden. Ich versuche, nicht zu Haken oder Halten und solche Dinge. Manche Spieler haben 50 Minuten in kleinen Strafen, also zwei Minuten-Strafen, über eine Saison. Sie nehmen also jedes zweite Spiel eine Strafe. Das ist furchtbar! Also, ja, ich denke man kann hart und physisch spielen, ohne Strafen zu nehmen. Und das ist meine Art, Eishockey zu spielen.

Wie würdest Du insgesamt Dein Spiel beschreiben? Du sagst, Du bist hartnäckig. Was noch? Wo siehst Du Deine Stärken?

Ich denke, das kann sich verändern. Es hängt immer mit der Rolle zusammen, die ich bekomme. Ob ich zum Beispiel Center oder Außen spiele. Wie ich in die NHL gekommen bin? Als zwei-Wege-Center. Ich habe ein sehr ausgeglichenes Spiel gespielt, habe nach hinten gearbeitet, meinen Job gemacht und nichts Verrücktes gemacht. In den Minors und hier in Europa ist es eine eher offensive Rolle. Zumindest bisher. Also als Torjäger, Forechecker und Spieler, der eben Offensive erzeugt. Also ich denke, ich kann alles spielen. Aber ob ich jetzt eher Torjäger oder Spielmacher bin? Schwer zu sagen. Die Rolle entwickelt sich über die Saison, denke ich.

Und abseits des Eises? Was bist Du für ein Typ? Was sind Deine Hobbys?

Oh, das ist eine schwere Frage. [lacht] Ich denke, ich bin ein ziemlich fröhlicher Typ, der recht umgänglich ist. Hobbys. . . Ich lese gern Bücher, ich befasse mich gern mit verschiedenen Dingen und diskutiere gern mit meinen Mannschaftskameraden über viele unterschiedliche Themen. Das mag ich, einfach interessante Unterhaltungen in der Kabine. Ich bin in der Kabine einer, der gern redet, aber keiner, der große Reden hält oder etwas in der Richtung. Ich bin keiner, der die Unterhaltungen in der Kabine dominiert oder so, aber ich werde mich immer mit meinem Nachbarn unterhalten.

Wie hast du deinen Sommer verbracht? 

Ich habe früh meinen Urlaub gehabt und mich dort erholt. Und seit Mai bin ich jetzt voll im Training und bereite mich auf die Saison vor. Das wird wohl auch für den restlichen Sommer so bleiben, wenn ich gesund bleibe. Ich will einfach gutes Training haben. Außerdem hat ein College-Freund von mir geheiratet, dort habe ich viele alte Freunde getroffen.  

Seit wann bist du in Krefeld?

Ich bin seit Ende Juli dauerhaft hier. Aber ich war im Mai auch schon einmal da, habe Mitte Mai mein Apartment bezogen, die Jungs, die in Krefeld waren, getroffen und eine Woche mit ihnen trainiert.

 Jeremy, viel Spaß in Krefeld und mit den Pinguinen!

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