Dramatischer Last-Minute-Sieg gegen Iserlohn

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Um es in der amerikanischen Version zu sagen: The monkey is off the back. Zu Deutsch: Der Knoten ist geplatzt! In einem dramatischen und an Spannung kaum zu überbietenden Spiel feierten die Krefeld Pinguine am Donnerstagabend vor 2.502 Zuschauern einen verdienten 4:3 (2:0, 0:2, 2:1)-Erfolg gegen die Iserlohn Roosters und holten damit den ersehnten ersten Dreier der Saison. Viel war seit dem ersten Punktgewinn der Saison in Mannheim am Dienstag passiert. Die Demission von Trainer Clark Donatelli und die Übernahme durch Co Igor Zakharkin bedeutete fraglos eine große Änderung für das Team. Dennoch war die Mannschaft hochmotiviert und ging personell unverändert in das Match. Das bedeutete auch, dass der in Mannheim überragende Oleg Shilin erneut im Tor startete. Sein Gegenüber war Ex-Kölner Hannibal Weitzmann. Die Pinguine mussten weiter auf ihren verletzten Kapitän Martin Schymainski verzichten. Auch Alex Bergström und Tom-Erik Bappert standen weiter nicht zur Verfügung.

Die Partie begann für die Hausherren optimal! 26 Sekunden waren im ersten Wechsel des kleinen Derbys absolviert, da trugen Lucas Lessio und Mirko Sacher die Scheibe in die gegnerische Zone. Der Verteidiger legte das Spielgerät perfekt zurück auf den nachrückenden Jeremy Bracco und der Topscorer der Pinguine kontrollierte die Scheibe kurz, um dann abzuziehen und das Hartgummi perfekt im langen Eck in den Winkel zu hämmern. Eine Minute später fast der nächste Torerfolg, doch Arturs Kulda knallte die Scheibe freistehend an den langen Pfosten. Die nächste große Aufregung gab es in der 5. Minute, als zunächst Laurin Braun freistehend zum zweiten Mal den Pfosten traf. Zum Nachschuss kam Igor Berylov, doch sein Schuss aus extrem spitzem Winkel ging am langen Pfosten vorbei. Die Pinguine brannten jetzt ein regelrechtes Powerplay ab und hatten durch erneut Berylov, Phillip Mass oder Alex Weiß weitere gute Gelegenheiten, die aber ungenutzt blieben. Defensiv standen die Gastgeber bombensicher und gaben so praktisch keine nennenswerten Abschlüsse für die Sauerländer ab. Shilin erlebte, anders als Weitzmann, der immer wieder eingreifen musste, einen geruhsamen Abend in der Anfangsphase. Jubel brandete in der 12. Minute erneut auf, doch Alex Blank hatte, abgefälscht von Weiß, nur das Außennetz getroffen. Weiter drängten die Krefelder, doch in der 14. scheiterten Robert Sabolic und erneut Berylov aus aussichtsreichen Positionen. Erst in den letzten fünf Minuten des Drittels kamen die Roosters etwas besser in die Partie, doch vor echte Herausforderungen wurde Shilin nicht gestellt. Und so kamen eine Minute vor der Pause Blank und Leon Niederberger zu einem Zwei-auf-Eins. Der Center legte auf den Außen und der verzögerte gut, um dann durch die Beine zum hochverdienten 2:0-Pausenstand, der durchaus noch schmeichelhaft für die Gäste war, einzuschießen. Fast wäre es sogar noch zum dritten Tor gekommen, doch bei einem Vier-auf-Eins Sekunden vor der Pause scheiterten gleich drei Krefelder am stark reagierenden Weitzmann.

Durchgang Zwei war gerade eine Minute alt, da sprachen die Schiedsrichter die erste Strafe aus. Es traf die Pinguine. Die Roosters zogen ein starkes Powerplay auf und wenige Sekunden vor Ablauf der Strafe hatte Casey Bailey plötzlich nach einem Abpraller das ganz freie Tor vor sich. Doch Shilin zeigte seine ganze Klasse, hechtete in Fußballtorwart-Manier quer durch den Torraum und wehrte den Schuss aus kurzer Distanz noch ab: Eine überragende Aktion des Deutsch-Russen! Wenig später aber war er doch geschlagen. Joe Whitney zog verdeckt ab und der Puck rutschte Shilin unter dem Arm durch und trudelte zum 2:1 über die Linie. Es entwickelte sich jetzt ein ausgeglichenes Spiel ohne große Chancen auf beiden Seiten. Nach der Hälfte des Spiels aber besannen sich die Pinguine wieder auf das Erfolgsrezept des Auftaktdurchgangs und schalteten mit schnellen Pässen schnell um doch zunächst fehlte die Genauigkeit und in der 33. kam plötzlich Luke Adam frei zum Schuss, doch erneut war der starke Shilin zur Stelle. Sekunden später ein Bully im Krefelder Drittel. Ex-Pinguin Kris Foucault zog aus dem Gewühl ab und traf den überraschten Shilin an der Maske. Von dort sprang der Puck hoch und im Torraum auf, von wo er, aufgrund der eigenen Rotation, sehr unglücklich zum zweiten Mal in die Maschen trudelte. Die Pinguine bekamen in der 35. ihre erste Überzahl, doch bei einem Gegenangriff der Roosters mussten sie selbst in einem bis dahin von beiden Seiten sehr disziplinierten Spiel die Strafe nehmen. In der folgenden Unterzahl kam Lessio zum Break, scheiterte aber an Weitzmann. Dennoch, die Roosters waren jetzt das aktivere Team, die Pinguine aber hielten dagegen und brachten so das 2:2 in die Pause.

Ein frühes Powerplay im Schlussdurchgang brachte, trotz guter Gelegenheiten für Weiß und Lessio keinen zählbaren Erfolg. Doch als die Roosters grade komplett waren zog Jesper Jensen Aabo von der blauen Linie einfach ab und die Scheibe rutschte Weitzmann, dem die Sicht versperrt war, durch die Beine ins Tor. Plötzlich waren die Pinguine obenauf und bekamen gleich darauf die nächste Überzahl. Diese brachte beste Einschussgelegenheiten für Kulda und Bracco, doch ersterer scheiterte an Weitzmann, Letztgnannter verzog um Millimeter. Die Roosters machten mit zunehmender Spielzeit immer mehr auf und verlagerten das Spielgeschehen ins Krefelder Drittel, was aber Räume für Konter öffnete. Doch in der 54. Minute das nächste höchst unglückliche Gegentor. Nach einem Schuss neben das Tor nahm Eugen Alanov den Abpraller auf und versuchte es mit dem langen Schläger per Bauerntrick. Shilin war mit dem Schoner da, doch Patrik Hersley versuchte, mit dem Schläger zu klären. Von diesem sprang die Scheibe über den Schoner des Keepers, an dessen Rücken und trudelte von dort über die Linie. Fast aber die sofortige Antwort der Pinguine, als die erste Reihe gleich drei Topchancen hatte. Einen langen Pass verpasste Lessio knapp. Die Scheibe versprang Weitzmann und so kam Niclas Lucenius an die Scheibe, der legte nochmals quer auf Lessio, der das leere Tor vor sich hatte, doch im letzten Moment warf sich ein Verteidiger in den Schuss. Die Pinguin aber blieben dran und hatten in den beiden Schlussminuten noch einmal eine Druckphase mit mehreren Topchancen. Doch es dauerte bis 48 Sekunden vor dem Ende, als Hersley aufrückte, von Sabolic perfekt bedient wurde und Weitzmann per Alleingang mit einem traumhaften Move keine Chance ließ. Die Schlusssekunden spielte das Team sicher herunter und holte sich so den insgesamt absolut verdienten ersten Dreier der Saison.

Damit ist der Knoten hoffentlich endgültig geplatzt. Die Pinguine haben nun zwei Tage Zeit zur Erholung, ehe am Sonntag um 16:15 Uhr die Eisbären Berlin erneut zu Gast in der Yayla-Arena sind. Die Pinguine jedenfalls sind endgültig in der Saison angekommen.

Strafen:
Krefeld: 4
Iserlohn: 6

Tore:
1:0 1. Bracco (Sacher, Lessio)
2:0 20. Niederberger (Blank, Lessio)
2:1 25. Whitney (Labrie)
2:2 34. Foucault (Cornell)
3:2 45. Jensen Aabo (Berylov)
3:3 54. Alanov (Labrie, Ziegler)
4:3 60. Hersley (Sabolic)