Ausgerechnet gegen Angstgegner: Pinguine feiern Befreiungsschlag

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Es war einer dieser Tage, an denen der Terminus „ausgerechnet“ wohl so passend ist wie selten: Ausgerechnet gegen den großen Angstgegner Pinguins Bremerhaven feierten die Krefeld Pinguine einen ganz wichtigen Befreiungsschlag im Abstiegskampf beim hart erkämpften 6:4 (2:1, 1:1, 3:2). Es war der erste Heim-Dreier seit rund zwei Monaten und der erst sechste der Spielzeit. Die Pinguine mussten kurz vor dem Spiel eine weitere Hiobsbotschaft hinnehmen. Denn nach den Leistungsträgern Oleg Shilin, Jesper Jensen-Aabo, Mirko Sacher oder Alex Bergström meldete sich auch Topscorer Jeremy Bracco nach einer Verletzung aus dem Abschlusstraining kurzfristig ab. Die Sturmreihen wurden daher mächtig umgebaut. Unter anderem rückte Niclas Lucenius zwischen Maciek Rutkowski und Leon Niederberger. Im Tor begann vor leider nur 2.287 Zuschauern erneut der zuletzt starke Sergej Belov. Ihm gegenüber stand Brandon Maxwell zwischen den Pfosten. Nach einem symbolischen Eröffnungsbully für Frieden in der Ukraine begann ein Spiel, das für beide Seiten extreme Bedeutung hatte, in dem die Pinguine aber gegen ihre Fast-Namenvettern aus dem Norden auch aufgrund der herben Ausfälle krasser Außenseiter waren.

Nach drei Minuten mussten sie dann auch erstmals in Unterzahl agieren. Sekunden vorher allerdings eine durchaus strittige Situation, denn Maxwell war außerhalb des Trapezes hinter dem Tor gegen den anstürmenden Lucas Lessio klar zur Scheibe gegangen und hatte diese nach allem Dafürhalten auch berührt, ging aber glücklich straffrei aus. So mussten die Pinguine sich erstmals eines Powerplays erwehren, überstanden dies aber ohne eine einzige Chance abzugeben. Und so gab es nach genau sechs Minuten die erste gute Gelegenheit für die Gastgeber: Robert Sabolic ging nach schönem Pass frei über die linke Seite und zog ab, doch Maxwell war mit der Fanghand zur Stelle. In einem Spiel, in dem beide Seiten wenige gute Chancen bekamen, hatte in der 10. Minute Alex Blank die nächste gute Gelegenheit, als er nach schönem Zuspiel von Arturs Kulda direkt abzog, das Tor aber knapp verfehlte. Es folgte eine weitere Strafzeit für Krefeld und diesmal nutzte der Gast die Chance. Stanislav Dietz zog von der blauen Linie ab und vor dem Tor war Miha Verlic zur Stelle und fälschte unhaltbar zum 0:1 ab. (11.) Die Pinguine aber reagierten keineswegs geschockt und hatten gleich darauf zwei Gelegenheiten. Das Tor aber fiel in der 13.: Nach schönem Querpass von Anton Berlyov kam Lessio frei zum Schuss und traf hoch ins Eck zum absolut verdienten 1:1. Die Hausherren waren jetzt das klar bessere Team und in der 18. hatte Lessio, von Laurin Braun glänzend freigespielt, die nächste gute Chance, stand frei vor Maxwell, zögerte aber zu lange und so kam ein Verteidiger noch dazwischen. Die Pinguine blieben dran und in der 19. zog Yannick Hänggi von der blauen Linie ab. Die Scheibe segelte durch Freund und Feind und schlug mit dem ersten DEL-Tor des unlängst neu gekommenen Blueliners zum durchaus verdienten 2:1 ein.

Der zweite Durchgang sah dann ein zunächst unverändertes Spiel, wobei die Gäste etwas mehr um Offensive bemüht waren, sich aber zunächst weiterhin keine klaren Gelegenheiten herauszuspielen vermochten. Die Pinguine hingegen blieben dran und nach einem gewonnen Bully zog Maciek Rutkowski ab und das Hartgummi schlug zum 3:1 ein (24.). Der erneute Treffer gab spürbar weiteres Selbstvertrauen und zunehmend sprangen jetzt auch endlich einmal die Scheiben für Krefeld. In der 29. dann allerdings – erneut eher strittig – die nächste Unterzahl für Krefeld. Doch auch diesmal stand die Box gut und der erneut starke Belov ließ keinen Gegentreffer zu. In der 34. dann die erste Überzahl für die Hausherren. Diese brachte zwei gute Gelegenheiten durch Justin Volek und Berlyov, doch ein Torerfolg sprang nicht heraus. Und so kam es, wie es kommen musste: In der 37. kam Bremerhaven zum Angriff. Wieder war es Verlic, der frei abzog und Belov bekam die Scheibe nicht mehr ganz unter Kontrolle. Sie rutschte ihm durch die Beine und trudelte gerade eben so über die Linie. Mit dem Zwischenstand von 3:2 ging es dann auch zur zweiten Pause in die Kabinen.

Die Gäste drängten im Schlussdurchgang natürlich auf den Ausgleich, die Pinguine aber hielten gut dagegen und hatten selbst die erste richtig gute Chance, als in der 45. Sabolic stark vor das Tor ging und Maxwell überzog, im letzten Moment aber hinderte ihn ein Verteidigerstock daran, den Puck einzuschieben. Die 48. Minute brachte dann das zweite Powerplay für Krefeld. Und das war erfolgreich! Nach zwei gefährlichen Abschlüssen zuvor war es Arturs Kulda, der eine Fackel von der blauen Linie abließ. Das Hartummi schlug, von Lessio möglicherweise noch abgefälscht, zum 4:2 ein – offizieller Torschütze war zumindest zunächst Kulda. Die Pinguine spielten jetzt clever die Zeit herunter und waren bemüht, die Scheibe zu kontrollieren, was zumeist gut gelang. Gut drei Minuten vor dem Ende dann noch einmal eine Strafe für Krefeld. Und gleich nach dem gewonnen Bully der Gäste ging Maxwell vom Eis. Mit Sechs gegen Vier drängte Bremerhaven auf den Anschluss. Und der gelang. In der 58. zog Jan Urbas ab. Belov war die Sicht verdeckt und so schlug es zum 4:3 ein. Weiter ging der Abwehrkampf und erneut verließ Maxwell sein Tor. Doch diesmal nutzten das die Pinguine. Nach einem intensiven Zweikampf kam Lessio an den Puck und zog aus dem eigenen Drittel ab. Die Scheibe schlug an den Innenpfosten und ging von dort zum 5:3 über die Linie. Weiter agierten die Gäste mit dem zusätzlichen Stürmer und 16 Sekunden vor dem Ende drückte Alex Friesen das Hartgummi im Nachschuss über die Linie. Natürlich blieb das Gästetor leer und die Pinguine eroberten den Puck, den Sabolic, erneut aus dem eigenen Drittel, fünf Sekunden vor dem Ende zur endgültigen Entscheidung in die Maschen setzte.

Damit feierten die Schwarz-Gelben ausgerechnet gegen den großen Angstgegner einen ganz wichtigen Befreiungsschlag im Abstiegskampf und dürften nun mit frischem Selbstvertrauen am Dienstag die Iserlohn Roosters in der YAYLA Arena begrüßen. Es könnte das vielleicht wichtigste Spiel der Saison und ein echtes Endspiel um den Klassenverbleib werden.

 

Strafen:

Krefeld: 10

Bremerhaven: 6

 

Tore:

0:1 10. Verlic (Wejse, Dietz) PP

1:1 13. Lessio (Berlyov, Braun)

2:1 19. Hänggi (Sabolic, Blank)

3:1 24. Rutkowski (Lucenius)

3:2 37. Verlic (Urbas)

4:2 50. Kulda (Braun, Berlyov) PP

4:3 58. Urbas (Dietz, Jeglic) PP, EA

5:3 59. Lessio (Belov) ENG

5:4 60. Friesen (Uher, Bruggisser) EA

6:4 60. Sabolic (Hänggi) ENG