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Arturs Kruminsch: „Ich möchte ein Vorbild sein“

Arturs Kruminsch: „Ich möchte ein Vorbild sein“

Für Arturs Kruminsch geht es derzeit wieder bergauf. Die Ärzte haben ihm eine gute Prognose bescheinigt. Auch mit den Krefeld Pinguinen stand der Stürmer bereits für eine Trainingsstunde wieder auf dem Eis. Im Interview blickt der 30-Jährige auf das vergangene Jahr zurück und wagt einen Ausblick auf die nächsten sechs Monate.

Im vergangenen Sommer stand bei den Krefeld Pinguinen erneut ein großer Umbruch an. Neben einem runderneuerten Trainerteam wurden auch einige neue Spieler verpflichtet. Unter ihnen auch der Deutsch-Lette Arturs Kruminsch. Bisher bei DEL2-Vereinen tätig, sollte der Wechsel für den damals 29-jährigen Stürmer den Sprung ins Oberhaus des deutschen Eishockeys bedeuten. Eine Verletzung am Rücken hatte Kruminsch in der gerade abgelaufenen Spielzeit gebremst, in Krefeld sollte deshalb alles anders werden. Entsprechend motiviert startete er ins individuelle Sommertraining, sendete sogar ein Begrüßungsvideo an die Fans seines neuen Vereins. Doch sein Gesundheitszustand wurde nicht besser – die Schmerzen nahmen eher zu. Noch vor dem Beginn des offiziellen Sommertrainings erhielt der Center dann die Diagnose Krebs – und kämpft sich seitdem mit viel Unterstützung von allen Seiten in den (Eishockey-)Alltag zurück. Die Ärzte bescheinigen ihm eine gute Prognose, auch Spiele seiner neuen Mannschaft konnte er schon wieder besuchen.

Arturs, nach deiner Diagnose im Sommer gab es für dich zuletzt gute Nachrichten von den Ärzten.

Ja, derzeit trainiere ich schon wieder ein bisschen. Das Training soll Disbalancen abbauen und ist ganz gezielt auf meinen Hüft- und Beckenbereich ausgerichtet. Das ist bei mir eine Schwachstelle. Wir steigern das Training kontinuierlich und Schritt für Schritt. Erstes Ziel ist: Ich muss mich damit wohlfühlen. Derzeit bin ich jedoch sehr euphorisch, und komme langsam wieder in den Trainingsrhythmus.

Wo bist du derzeit?

Ich wohne in Dortmund und war in Essen in Behandlung. Seit Mitte der Woche befinde ich mich vier Wochen in der Reha.

Du hast deine Diagnose im Sommer kurz vor dem Start des Sommertrainings erhalten. Wie sind die folgenden Tage und Wochen abgelaufen?

Nach dieser Diagnose war ich zunächst sehr unsicher. So eine Situation wünscht man wirklich keinem. Ich dachte erst an einen großen Irrtum. Schließlich ist man doch Sportler, bewegt sich und ernährt sich gesund. Das war im ersten Moment ein richtiger Schock. Verletzungen im Sport ist man als Profi ja gewöhnt, aber sowas haut einen um. Besonders schwer war diese Ungewissheit ob und wie der eigene Körper mitspielt. Krebs kann man leider nur sehr schwer beeinflussen. Gesunde Ernährung hilft zwar, aber es sind so viele verschiedenen Faktoren, die einem in so einer Situation helfen können aber eben nicht müssen, dass man wirklich verzweifeln kann.

Die Pinguine haben deine Erkrankung dann auch öffentlich gemacht. Welche Reaktionen hast du erhalten?

Nach der Veröffentlichung habe ich viele Nachrichten von ehemaligen Mitspielern und Weggefährten bekommen. Das war nicht einfach für mich. Einerseits freut man sich über die Nachrichten, andererseits war das nicht einfach für mich und oft sehr emotional.

Wie standen dir die Pinguine in dieser Zeit zur Seite?

Ich hatte regelmäßig mit Matthias Roos Kontakt und habe ihn auch während meiner Behandlung auf dem Laufenden gehalten. Ich hätte nie erwartet, dass ich so viel Unterstützung von einem Verein erhalte, für den ich noch nie gespielt habe. Dafür bin ich sehr dankbar. Seit Weihnachten besuche ich auch die Spiele der Pinguine, darüber freue ich mich sehr weil ich so etwas näher dran bin als zuletzt. Aber natürlich ist es auch nicht einfach, nur zuzugucken und der Mannschaft nicht helfen zu können. Ich hatte auch viel Kontakt nach Dresden. Ich habe viele Jahre dort gespielt, kenne noch einige der Spieler und auch die Geschäftsstelle gut. Die haben sich auch sehr nett um mich gekümmert. Ich möchte bald mal dorthin und mich auch persönlich bei allen bedanken.

Was hat dir nach der Diagnose besonders geholfen?

Mir hat diese Sportlermentalität, also niemals aufzugeben und immer weiter zu kämpfen, sehr geholfen. Mit der Zeit merkt man dann, wie wichtig die Familie ist. Ich bin meinen Eltern und meinem Bruder sehr dankbar. Auch für sie war das keine leichte Zeit. Als Familie hat uns diese Diagnose aber noch näher zusammengeschweißt. Wenn man früher hundert kleinere Probleme hatte, haben wir da gemerkt, worauf es im Leben wirklich ankommt.

Wen kennst du aus der Mannschaft der Pinguine persönlich?

Ich kenne Torsten Ankert noch von den Knaben und Schülern in Essen. Wir haben da schon zusammen gespielt und sind immer irgendwie in Kontakt geblieben. Alex Trivellato kenne ich aus unserer gemeinsamen Zeit bei den Dresdner Eislöwen. Und gegen Daniel Pietta und Martin Schymainski habe ich schon gespielt. Aber eigentlich kennt man sich immer irgendwie, die Eishockeywelt ist ja recht klein.

Kannst du schon eine Prognose abgeben, ob du für die Pinguine spielen wirst?

Ich möchte sehr gerne irgendwann für die Pinguine spielen. Das ist ein toller Verein, außerdem möchte ich mich mit guten Leistungen für den wirklich netten Umgang und die viele Unterstützung in den letzten Monaten bedanken. Aber noch ist es zu früh, irgendetwas dahingehend zu planen.

Wo willst du in sechs Monaten stehen?

Ich habe keinen Plan für die nächsten Monate aufgestellt, sondern schaue Tag für Tag wie es mir geht. Ich schaue nur nach vorne und möchte mit meiner Geschichte auch ein Vorbild sein für andere, die ebenfalls eine schwere Zeit haben oder hatten. Und irgendwann möchte ich wieder gute Leistungen aufs Eis bringen und Eishockey auf hohem Niveau spielen.

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