Andrew Engelage: „Es gibt selbst in meiner eigenen Familie Leute, die Engelage falsch aussprechen“

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Heute stellt sich Torhüter und Neuzugang Andrew Engelage im Interview vor. Bei seiner letzten Station, Karlskonga aus der Allsvenskan (zweite Liga Schwedens) konnte er mit fantastischen Werte überzeugen.

Mit einem Gegentorschnitt von 1,71 und einer Fangquote von 93,8% konnte er seine ebenfalls schon beachtlichen Werte aus der Vorsaison in Italien betätigen und wurde zum besten Torwart der Liga gewählt.

Hallo Andrew, willkommen in Krefeld! Du hast vor kurzem in Krefeld einen Vertrag unterschrieben. Was sprach für die Pinguine?

Danke. Ich denke, für mich war es eine Chance, mich weiter zu beweisen und mein Spiel zu verbessern. Ich hoffe einfach, es ist ein weiterer Schritt dahin, der beste Spieler zu werden, der ich sein kann. Nach allem, was ich gehört habe, ist Krefeld eine tolle Organisation. Ich freue mich auf meine Zeit hier!

Was weißt Du denn bereits über Krefeld und die DEL? Wie hast Du Dich informiert?

Das ist eine gute Frage. Bisher weiß ich noch nicht viel, von dem abgesehen, was mir Matthias Roos und Rick Adduono erzählt haben. Aber ich bin sicher, dass ich viel darüber lernen werde, wenn ich da bin.

Die Menschen in Deutschland sind immer bemüht, Namen richtig auszusprechen. Deinen Namen sprechen manche englisch, manche französisch und andere sogar eher skandinavisch aus. Wie wirst Du denn nun richtig ausgesprochen?

Ich spreche es englisch aus, also ənd͡ʒəlæd͡ʒ. Aber es gibt selbst in meiner eigenen Familie Leute, die es anders aussprechen. Also insgesamt: Was immer Ihr auch sagt, es wird schon hinhauen und man weiß ja, wer gemeint ist. [lacht] Ich glaube, es gibt sogar eine deutsche Stadt mit meinem Namen, das haben jedenfalls meine Großeltern gesagt.

Wie lange bestand denn der Kontakt zu den Verantwortlichen? Waren es lange Verhandlungen?

Das war gar nicht so lang. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wann die ersten Kontakte zu meinem Agenten geknüpft wurde, aber ich denke, dass dies im April passiert ist. Die gesamten Verhandlungen haben nur ein paar Wochen gedauert und die Einigung kann sehr schnell und einfach zustande.

Bisher hast Du in vielen unterschiedlichen Ländern gespielt, zuletzt in Schweden. Dort warst Du statistisch der beste Goalie der Liga und wurdest auch als bester Torwart ausgezeichnet. Denkst Du, ähnliche Werte (1,71 Gegentorschnitt, 93,8% Fangquote) auch in der DEL hinlegen zu können?

Das ist eine gute Frage, die schwer zu beantworten ist, bis man selber in der Liga gespielt hast. Aber klar ist: Das ist mein Ziel! Ich will natürlich mit dem Team gewinnen und der Beste sein. Aber am Ende ist es schwer zu vergleichen oder einzuschätzen, wenn Du in einem Land noch gar nicht gespielt hast. Ich freue mich darauf, hier neue Erfahrungen zu machen und mich in einer neuen Liga zu etablieren.

In Norwegen warst Du im Finale, in Italien bist Du Meister geworden. Kann man sagen, dass Du ein Torwart bist, der gerade in den Playoffs nochmal zulegen kann?

In jedem Fall möchte ich mich gern so sehen. [lacht]. Nein, im Ernst, ich denke, ich hatte Erfolg in den Playoffs, aber ich hatte auch Jahre, in denen es nicht so lief. Im Endeffekt muss in den Playoffs viel stimmen und nur ein Team gewinnt am Ende die Meisterschaft. Kleinigkeiten können Spiele entscheiden. Aber ich hatte das Glück, in einigen guten Teams gespielt zu haben und konnte in den Playoffs gute Leistungen zeigen. Letztes Jahr war es etwas anders. Insgesamt hoffe ich einfach, mich in den Playoffs zeigen und beweisen zu können. Ich will mit dem Team in die Playoffs kommen und dann hat jedes Team die Chance auf den Titel.

Wie würdest Du denn Deine Spielweise bezeichnen? Bevorzugst du ein gutes Stellungsspiel oder bist Du eher ein Torwart für spektakuläre Aktionen?

Ich halte es gern sehr einfach und versuche, ruhig und über Stellungsspiel das Tor sauber zu halten. Wenn ich gut drauf bin wird man selten die ganz spektakulären Rettungen von mir sehen. Wenn das nötig wird, habe ich vorher etwas falsch gemacht. Ich bin definitiv ein Goalie, der sich stark auf das Positionsspiel konzentriert, der über seine Größe viel Tor wegnimmt und dies zu seinem Vorteil nutzt.

Dein Draftjahr liegt 10 Jahre zurück und Du wurdest nicht von einem NHL-Team ausgewählt. Heute würde ein Torwart Deiner Größe nach den Erfolgen von Goalies wie Ben Bishop, Pekka Rinne oder auch Carey Price wohl in jedem Falle gedraftet. Wie sehr bedauerst Du, nicht acht oder zehn Jahre jünger zu sein?

Ich denke, ich hätte auch schon damals einer dieser späten Picks sein können. Aber in meinem Draftjahr hatte ich eine Leistenverletzung und habe versucht, nicht auszusetzen, um meinem Team zu helfen. Das hat aber leider auch mein Spiel beeinflusst. Am Ende ist es einfach, wie es ist. Ich habe meine Karriere bis hierher sehr genossen und freue mich auf die weiteren Jahre. Dieser Tage sind große Torhüter in der NHL sehr gefragt und ich denke, wenn man heute groß und beweglich bist, dann wird man definitiv vor einem kleineren Torwart gezogen. Das war damals noch anders. Aber man muss auch sagen, dass sich das Training hier in den letzten Jahren sehr verändert hat. Es ist beeindruckend, was für überragende Athleten einige dieser Goalies sind. Das ist wohl auch ein Grund, warum sich das Spiel heute verändert. Am Ende hat alles seine Zeit und es bringt nichts, der Vergangenheit nachzuweinen.

Hast Du denn den Traum von der NHL denn aufgegeben, oder ist es noch im Hinterkopf, Dich mit einer starken Saison in der DEL vielleicht für ein Camp zu empfehlen?

Das ist langsam schon ein bisschen zu spät. Ich werde dieses Jahr 29 Jahre alt. Natürlich kann immer alles passieren und jeder möchte natürlich gern in der NHL spielen. Aber realistisch wird es schwerer und schwerer und die Teams suchen immer erst einmal den jüngeren Spieler. In meinem Alter muss man schon sehr viel besser sein als der Konkurrent mit 22. Die Teams suchen nicht mehr nach dem 30-Jährigen, sondern wollen ihre Jungs selbst entwickeln. Also ist dieser Traum für mich höchstwahrscheinlich vorbei. Aber das macht nichts. Ich will trotzdem der beste Spieler sein, der ich sein kann und will Erfolg haben, wo immer ich spiele.

Was bist Du denn abseits des Eises für ein Typ, was sind Deine Hobbys?

Neben dem Eis bin ich ein ziemlich entspannter Typ. Ich schau einfach, dass ich Spaß habe, das Leben genieße und Dinge nicht zu ernst nehme. Eigentlich bin ich neben dem Eis das genaue Gegenteil des Sportlers, der ich auf dem Eis bin. Viel gegensätzlicher geht es wirklich nicht. Auf dem Eis wird alles sehr ernst.

Was sind denn für Dich die Ziele – persönlich wie für das Team – für die kommende Saison?

Ich weiß nicht, ob ich persönliche Ziele habe. Leute fragen das jedes Jahr, aber ich mache mir da keinen Kopf drum. Für mich ist Erfolg, wenn ich dem Team jeden Abend eine Chance gebe, das Spiel zu gewinnen. Statistiken interessieren mich eigentlich gar nicht so. Ob ich jetzt die beste Fangquote habe oder den besten Gegentorschnitt, das hilft doch nicht. Wenn wir das Spiel verlieren, dann ist es trotzdem doof. Ich glaube, Leute messen dem viel zu große Bedeutung bei. Für mich will ich einfach in jedem Team mein bestes Hockey bieten. Und als Team ist es einfach, die Playoffs zu erreichen. Das ist dann eine ganz andere Saison, wenn die Endrunde einmal gestartet ist.

Wie alle Spieler aus Übersee verbringst Du den Sommer in Deiner Heimat. Wo lebst Du dort eigentlich? Und wann wirst Du nach Krefeld kommen?

Ich lebe in einer Stadt namens Oshawa, Ontario. Das ist eine Stunde von Toronto entfernt und die größte Stadt in der Gegend. Wir haben auch ein OHL-Team, die Oshawa Generals. Die haben einige sehr berühmte Spieler hervorgebracht, unter anderem Bobby Orr, aber auch John Tavares oder Marc Savard. Orr ist hier immer noch eine sehr populäre Figur hier. Wann ich nach Krefeld komme, weiß ich noch nicht genau. Ich habe also noch keinen Flug oder etwas in der Art, werde aber Ende Juli nach Krefeld kommen.

Wir freuen uns auf dich Andrew!